Noch vor Püppi war klar: Ich möchte mein Kind einmal tragen. Definitiv auf Händen, aber vorrangig in einer Trage oder einem Tragetuch. Dank einer Freundin habe ich eine Trageberaterin gefunden und mich dort beraten lassen. (An dieser Stelle: Danke, Nela!) Trage… was? Trageberaterin! Das sind Personen, die in einer Trageschule ausgebildet wurden, um Eltern zu zeigen, wie sie ihr Baby oder Kleinkind in einer für sie passenden Tragehilfe oder einem Tragetuch richtig tragen können. So wie Astrid Pintzinger von sichergebunden.at. Mit ihr habe ich gesprochen.

Wie sieht eine Trageberatung aus?

Ich komme zu den Eltern nach Hause und habe sämtliche Trageoptionen inklusive Tragepuppen zum Probieren mit im Gepäck. Es gibt verschiedene Pakete, die ich anbiete. Zum einen sind das Einzelberatungen oder Paarberatungen. Ich freue mich immer sehr darüber, wenn auch der Papa das Bedürfnis hat, sein Baby zu tragen. Zum anderen sind das Beratungen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt.

Der Vorteil bei einer Beratung, die bereits in der Schwangerschaft startet, ist der, dass die Eltern beim ersten Termin während der Schwangerschaft die Möglichkeit haben, sich in aller Ruhe die verschiedenen Tragemöglichkeiten anzusehen und sich vertraut zu machen. Beim 2. Termin nach der Geburt haben sie sich schon mit dem Thema auseinandergesetzt und können ihre Favoriten gleich mit Baby probieren. Diese Variante wird als angenehmer und entspannter empfunden.

Gibt es eine Trage bereits zu Hause und geht es lediglich darum, diese Trage optimal einzustellen, gibt es die Möglichkeit einer Kurzberatung.

Püppi und ihr Papa

Was ist der Unterschied zwischen Tragetuch und Trage?

Ein Tragetuch ist ein langes Tuch, das in gewissen Weisen gebunden werden kann. Tragehilfen sind meist ebenfalls aus dem gleichen Stoff hergestellt. Hier gibt es verschiedene Modelle.

Wie viele unterschiedliche Trage-Modelle gibt es?

Unzählige. In den letzten Jahren hat sich am Trageherstellermarkt viel getan. Grob kann man unterscheiden zwischen elastischem und gewebtem Tragetuch, einer Half Buckle (das ist eine Tragehilfe mit Schnallen am Hüftgurt und Schulterträger zum Binden) und Full Buckle (das sind Tragehilfen mit Schnallen an Hüftgurt und Schulterträgern).

Wie erkenne ich, welche Trage zu mir passt?

Eine gut sitzende Trage soll angenehm für die tragende Person sein. Sitzt der Hüftgurt bequem? Sind die Schultern und der Nacken gut entlastet? Drückt die Tragehilfe oder das Tuch eh nirgendwo? Fühle ich mich wohl und habe das Gefühl, das Baby ist gut gestützt und stabilisiert? Kann ich gut und frei atmen? Kann ich aufrecht stehen und habe beide Hände frei? Passt die Trage zum Baby? Ist es die richtige Größe? Fühle ich mich wohl beim Anlegen der Trage? Fühlt das Baby sich wohl in der Trage?

Das sind alles Fragen, die ich während der Beratung stelle und die bei einer gut sitzenden Tragehilfe oder einem Tuch alle mit „JA“ beantwortet werden sollten.

Püppi im elastischen Tragetuch

Was macht eine gute Tragehilfe aus?

Eine gute Tragehilfe ermöglicht dem Baby, eine ergonomisch gute Haltung einzunehmen. Das ist die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung. Die Beinchen vom Baby bilden dabei ein „M“ (Fersen und Popo sind tief, die Knie hoch). Erreicht wird diese Haltung durch einen stufenlos verstellbaren „Steg“. Das ist das Tuchteil unter dem Popo des Babys. Es soll von Kniekehle zu Kniekehle reichen. Somit ist der Rücken leicht gerundet und trotzdem gut gestützt.

Wird das Baby durchs Tragen nicht zu sehr verwöhnt?

Das ist ein, vor allem in älteren Generationen, weit verbreiteter Mythos. Babys können mit Körperkontakt und Nähe nicht verwöhnt werden. Es ist ein Grundbedürfnis, das hier gestillt wird. Und trägt zu einer sicheren Eltern-Kind-Bindung bei.

Kann man beim Tragen etwas falsch machen und damit dem Baby schaden?

Das Baby sollte immer mit dem Gesicht zum Körper getragen werden. Babys, die in der Trage mit dem Gesicht nach vorn schauen, sind einer Unmenge an Reizen schutzlos ausgeliefert. Sie können sich ihnen nicht entziehen. Das Gehirn der Kleinen ist aber nicht dafür gemacht und zu unreif, um so viele Sinneseindrücke gut zu integrieren. Es ist bereits bekannt, dass eine Reizüberflutung zu späteren Wahrnehmungsschwierigkeiten führen kann.

Was kostet eine Trageberatung?

Bei mir gibt es verschiedene Pakete. Eine Einzelberatung kostet 69 Euro und dauert etwa 1,5 Stunden. Eine Paarberatung kostet 84 Euro und dauert etwa zwei Stunden. Eine Kurzberatung kommt auf 15 Euro pro angefangener Viertelstunde.


Astrid Pintzinger ist Klinische und Gesundheitspsychologin sowie Mama von zwei Mädels. Ihr Angebot reicht von psychologischer Beratung, Geburtsvorbereitung mittels HypnoBirthing,  über Trageberatung, bis hin zu Spielgruppen und Babymassage. Sie ist in Wien und im Bezirk Mödling tätig und bietet gerne auch Hausbesuche an.

Alle weiteren Infos und das komplette Angebot gibt es online auf www.sichergebunden.at


Püppis Lieblinge

Mittlerweile haben Püppi und ich mehrere Tragehilfen zu Hause. Unsere aktuellen Lieblinge:

  • Die Limas Flex – Flora Cool Grey, unsere erste Trage,
  • die Baby-Trage von Ruckeli, einem Berliner Unternehmen
  • sowie die BuzziTai des Wiener Unternehmens Buzzidil. Sie kombiniert Half Buckle und Full Buckle in einem.
  • Bei den Tragetüchern ist das Tragetuch von Hänschenklein unser aktueller Favorit.